. . . nach unbekannt abgewandert
Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit der Initiative HISTORISCHE LERNORTE SENDLING und wird gefördert vom Beziksausschuss 6, Sendling, München, Deutschland, Germany
  

Wirtschaftliche Existenzvernichtung
jüdischer Bürger von 1933 - 1945


Zeittafel wichtiger Gesetze und Verordnungen und Ereignisse (Stand 2008)

April 1933 Boykott jüdischer Geschäfte - Ausschaltung aller "nichtarischen" Beamten - Anteil der jüdischen Schüler und Studenten wird auf 1,5% begrenzt.
07.04.1933 "Gesetz zur Wiederherstellung des berufsbeamtentums" schafft die rechtliche Basis für Entlassungen oder Zwangspensionierungen von beamten jüdischer herkunft sowie politisch "unzuverlässigen Elementen". (RGBII,1933, S. 175)
22.04.1933 "Gesetz über die Zulaasung von Ärzten zur Tätigkeit bei den Krankenkassen" erlaubt Ärzten "nicht arischer" Abstammung nur unter bestimmten Voraussetzungen (z.B. Fronteinsatz im 1. Weltkrieg) die Tätigkeit für Krankenkassen. (GGBII,1933, S. 222-223)
26.05.1933 "Gesetz über die Einziehung kommunistischen Vermögens" richtet sich zunächst allein gegen die Kommunistische Partei Deutschlands;wird später auch zur Begründung der Enteignung jüdischer Bürger verwendet.(RGBII,1933, S. 293)
14.07.1933 "Gesetz über den Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit" von Flüchtlingen und Emigranten. Damit verbunden ist auch der Einzug des gesamten zurückgelassenen Besitzes jüdischer Bürger. (RGBII, 1933, S. 480)

"Gesetz über die Einziehung volks-und staatsfeindlichen Vermögens" bietet weiten Speilraum für Enteignungen von missliebigen Organisationen und ihren (angeblichen) Unterstützern; dazu zählten im Dritten Reich auch alle Juden. (RGBII, 1933,S. 479)

17.05.1934 Neue "Verordnung über die Zulassung von Ärzten bei den Krankenkassen" schließt alle jüdische Ärzte oder mit einem "Nicht-Arier" verheirateten Ärzte von der Tätigkeit für die Krankenkassen aus. (RGBII, 1934, S. 399ff.)
18.05.1934 "Gesetz über die Änderung der Vorschriften über die Reichsfluchtsteuer" setzt die Vermögens-und Einkommensgrenzen zur Erhebung der Reichsfluchtsteuer erheblich herab und vergrößert damit die Zahl der Betroffenen. Es können Sicherheitsleistungen für die Zahlung gegenwärtig und zukünftig anfallenden Steuen verlangt werden. (RGBII, 1934, S. 392/393)
16.10.1934

"Steueranpaasungsgesetz" schreibt die Auslegung bestehender Steuergesetze und die Beurteilung von Tatbeständengemäß der judendfeindlichen NSDAP-Ideologie vor. (RGBII,1934, S. 925)

04.2.1935 Neues "Gesetz über die Devisenbewirtschaftung" sieht bei devisenvergehen Strafen bis zu 300.000 RM und Beschlagnahmungen als Sicherheitsmaßnahmen vor. (RGBII, 1935, S. 106 ff.)
Sommer 1935 Verstärkte Aktion "Juden unerwünscht"-Schilder an Ortseingängen, Badeanstalten, Cafes, Geschäften, Parkbänken . . .
15.09.1935 Erlass der drei "Nürnberger Gesetze". Das "Reichsbürgergesetz" erklärt den als jüdisch bzw. "nicht arisch" deklarierten Bevölkerungsteil zu Staatsangehörigen minderen Rechts. Dieses Gesetz dient als staatsrechtliche Begründung für spätere Ausgrenzungs, Ausblünderungs- und Vernichtungsmaßnahmen. (RGBII, 1935, S. 1146)
14.11.1935 Erste Verordnung zum "Reichsbürgergesetz" definiert erstmals ausführlich wer Reichsbürger und wer Jude im Sinne des Gesetzes ist. Enhält die Anordnung zur Entlassung aller jüdischen Beamten zum 31.12.1935. (RGBII, 1935, S. 1333)
13.12.1935 "Reichsärzteordnung" schränkt die allgemeine Zulassung (bestallung) von jüdischen Ärzten oder mit einem "Nicht-Arier" verheirateten Ärzten ein. (RGBII, 1935, S. 1433-1444)
13.12.1935 Verordnung zum "Gesetz zur Verhütung von Missbräuchen auf dem Gebiet der Rechtsberatung" schränkt die Zulassung von Juden als Rechtsanwälte gegenüber dem "Gesetz über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft" vom 7.4.1933 weiter ein. (RGBII, 1935, S. 1481-1482)
09.09.1936-12.09.1936 Auf dem Reichsparteitag der NSDAP wird die Judenvertreibung als wichtiges politisches Ziel der Reichsregierung bekräftigt. Hitlerverkündet den 2. vierjahresplan zur Stärkung der deutschen Wirtschaft, der insgeheim die wirtschaftliche Vorbereitung des Deutschen Reiches auf einen kommenden Krieg zum Ziel hat. der Vierjahresplan liefert später die Begründung für neue judenfeindliche Ausbeutungsaktionen.
01.12.1936 Neues "Gesetz über die Devisenwirtschaft" erschwert die Auswanderung jüdischer Bürger durch die Möglichkeit zur Anordnung von Verfügungsbeschränkungen über dren Eigentum. (RGBII, 1936, S. 1000-1001)
22.04.1938

"Verordnung gegen die Unterstützung der Tarnung jüdischer Gewerbebetriebe" verbietet alle Handlungen, die jüdischen Eigentümern evtl. bei der Rettung ihres Besitzes dienen könnten. (RGBII, 1938, S. 404)

26.04.1938 "Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden" verpflichtet zur Bewertung und Anmeldung von Vermögen über 5.000 RM und schafft damit die Basis zur Erhebung der Judenvermögensabgabe und der Reichsfluchtsteuer sowie sonstiger Maßnahmen der Finanzämter, Sie ermächtigt Hermann Göring (Beauftragter für den Vierjahresplan) zum Einsatz des jüdischen Vermögens "im Einklang mit den Belangen der deutschen Wirtschaft". (RGBII, 1938, S. 404)
31.05.1938 "Gesetz über die Einziehung von Erzeugnissen entarteter Kunst" (es gilt nicht nur für jüdische Bürger), regelt die entschädigungslose Enteignung von Privatpersonen und juristischen Personen zugunsten des Staates. (RGBII, 1938, S. 612)
14.06.1938 "Dritte Verordnung zum Reichsbürgergesetz" legt fet, wann ein Gewerbebetrieb als jüdisch anzusehen ist. Sie begünstigt Boykottmaßnahmen durch die Vorschrift zur Einrichtung eines öffentlichen Verzeichnisses jüdischer Gewerbebetrieb. (RGBII, 1938, S. 627)

Dokumentarchiv - RGB


Aus einer Zusammenstellung von Bernhard Koch, Geschichtswrkstatt München-Pasing, 2008
und
Marguerite Strasser


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